Gedichte

1

keine form, weite
rauschhafte fläche
eine schleppe aus sand

postkartenflattern
neben plastikkrokodil und aufblasbarer ente
bevor sie der terrier zerbeißt
wie soll man bloß so ein schmuckstück nennen?

fragt die frau ihren mann im shop
unten ist eine bucht
da warten die schneckenhäuser

die schiffbrüchigen und die perlen
gesichter in felsen, endlos
gereiht aneinander

(aus: Jahrbuch der Lyrik, dva 2015)


2

häuser suchen mit den lichtern einer stadt
nach dem gesicht, das du vergessen hast
dir umzugürten fest und plan ganz
sicher über mund und nase zu fixieren
doch vage schon vom treibgut, das den boden teilt
hast du für dich befunden, dass ein wangen-
knochen schöner sei, wenn er sich leichter biegen lässt
ein formelastisch neuer aufprallschutz

(aus: weiß, poetenladen 2013)


3

ein dach aus strick, frühling
zwischen den maschen panorama
in der brust ein paar prozent mehr
herzschlag, der alles ins glück kippt
dann verlegung

(aus: weiß, poetenladen 2013)


4

du schneidest passepartouts, damit ein bild deine wand ziert
deine vorstellung einer gemütlichen erkenntnis in deiner behausung
versperrt kein ausgang den weg zu einem inneren rätsel

und kein rätsel versperrt den weg zum bestmöglich gezimmerten du
deine schnelligkeit
wenn es darum geht dich einzurichten in einer welt
in der handwerkliches geschick gefragt ist
das schafft dich

dein lächeln wird blau
du klingelst
sei doch
sei doch ein fehler

(aus: weiß, poetenladen 2013)


5

tout est là
ja, es ist alles

alles kunst
und die städte sind
blüten von innen

betrachtet, blüten
oder andere
blätter

(aus: laub und wirklich, Edition Virgines 2016)


6

lege mich auf den boden und schaue gegen die wand. mein neues profil, tagträume. jedes buch einer. piraten lachen mir ins gesicht und ein nachbar: “ist das ihr fahrrad? das darf man da nicht abstellen.” manchmal sinkt der herzschlag unter null. die stadt ist alt und müde. hunde winseln. auf vox sagt einer, was man tun muss, damit sie damit aufhören. flaschenweise tote zungen. eine fläche voll blumen. ich nehme etwas und hänge das an wände. ich sage endlich: “hi, bin da. freu mich.“ bisschen adrenalin. immerhin. willkommen in der fluktuation. wilokmemnl ni. usw. die angaben sind unklar. strich N zu NNO. OSO zu O. dann nehme ich meine hand. dort kann ich mich hineinlegen. mondlicht, in das ich meine flagge tauche.

(unveröffentlicht, 2015)


7

„Als könnte man die Zeit totschlagen, ohne die Ewigkeit zu verletzen.“ (H. D. Thoreau)

schwimmen
im blauen
die bäume, tiere
und flaggen
zurückfallen
auf eine zunge
zwischen zeit
laufen, achtsam
das sich ständig

wechselnde kleid
vorn warten, durch
eine tür gehen
sich an die hand
nehmen, klettern
die langen reisen
lange schatten
lichter auf straßen
zum meer
das ein wald ist
haken schlagen
das wär’s

(fixpoetry, 2017)


einige Gedichte gelesen auf Soundcloud

ein weiterer Blog http://sichtn.wordpress.com/

Poetryclip es riecht nach schwanken
Sound: Eberhard Kranemann

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